Montag, 25. Juli 2011

Kastrationen für streunende Katzen? Neue Maßnahme in NRW

In einem einmaligen Vorstoß stellt die nordrhein-westfälische Landesregierung in diesem Jahr € 200.000 dem Tierschutz zur Verfügung. Damit soll es Tierschutzvereinen in NRW ermöglicht werden, bis zu 5.000 verwilderte Katzen kastrieren zu lassen. Die Kastration einer Katze soll mit € 40 und die Kastration eines Katers mit € 25 bezuschusst werden, was etwa einem Drittel der tatsächlichen Kosten entspricht. Um in den Genuss dieser Regelung kommen, muss zuvor ein Antrag auf Bewilligung gestellt werden. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die Aktion.

Seit einigen Jahren wird über eine Kastrationspflicht für frei laufende Katzen diskutiert. Katzen gehören weltweit zu den beliebtesten Haustieren. In deutschen Haushalten leben schätzungsweise 8,5 Mio. Samtpfoten. Wie viele davon Freigänger sind, ist nicht bekannt. Hinzu kommen etwa 2 bis 3 Mio. verwilderte Katzen, und es werden immer mehr. Viele Naturfreunde bemerken diese Streuner erst, wenn sie im Vorgarten Singvögel erlegen. Dies ist auch häufig der Grund für die Forderung nach einer Kastrationspflicht. Allerdings ist der Einfluss von Katzen auf den Vogelbestand meist vernachlässigbar.

Das entscheidende Argument, dass für eine Kastration spricht, ist das unsagbare Leiden der Katzen selbst. Verwilderte Katzen haben eine äußerst geringe Lebenserwartung. In der Regel sind sie von Unterernährung und einem starken Parasitenbefall gezeichnet. Da sie medizinisch nicht versorgt werden, können auch an sich harmlose Verletzungen zum Tod führen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Verbreitung von Krankheiten wie Leukose oder FIV, mit denen sich bei einem Kontakt auch frei laufende Hauskatzen infizieren können. Um dieses massenhafte Leid zu verhindern, ist es wichtig, Streuner konsequent zu kastrieren. Wenn diese Tiere nach der Operation wieder in ihrem angestammten Revier frei gelassen werden, kann so langfristig dafür gesorgt werden, dass die Zahl verwilderter Stubentiger zurückgeht.

Gerade in ländlichen Gebieten verstehen viele Katzenbesitzer nicht, warum sie ihre Freigänger kastrieren lassen sollen, da diese ja gefüttert und gepflegt werden. Aber auch diese Katzen tragen zur Vermehrung bei. Eine Katze kann pro Jahr zwei- bis dreimal etwa fünf Junge zur Welt bringen, viel mehr, als sich langfristig in Haushalten unterbringen lassen.

Manchmal stoßen Kastrationskampagnen durch Tierschutzvereine auf Widerstand. Einige Katzenhalter befürchten, dass ihre Freigänger eingefangen und im Tierheim enden könnten. Diese Sorgen sind aber unbegründet, da sich Streuner schon äußerlich deutlich von gepflegten Stubentigern unterscheiden und in der Regel auch mit Tätowierung oder Chip gekennzeichnet sind. Letztendlich kommt die Kastration von Streunern, wie sie jetzt in NRW gefördert wird, auch diesen Katzen zugute - durch weniger Revierkämpfe und ein deutlich geringeres Infektionsrisiko.

Mehr zu dem Thema artgerechte Haltung in dem Katzenratgeber von markt.de.

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